Mit der Gemeinschaftschule die Schule im Dorf lassen

Veröffentlicht am 21.05.2014 in Kommunalpolitik

„In der gültigen Verbandsatzung unseres Schulverbandes steht wörtlich: „Der Verband errichtet ein Bildungszentrum, bestehend aus einer Hauptschule, Realschule und Gymnasium.“ So betrachtet ist die Gemeinschaftsschule ein richtiger Schritt, zumal die Einrichtung einer Gemeinschaftschule an der Marion-Dönhoff-Realschule von der Mehrheit der Gemeinderäte in Brühl und Ketsch bereits begrüßt wurde und sich auch die Schulkonferenz schon einmal grundsätzlich positiv geäußert hat“, so Hans Zelt bei der Veranstaltung in der Ratsstube bei seinem Kurzreferat über die Schullandschaft in Brühl und Rohrhof.

Nachdem er zunächst betont hatte, daß für die SPD die drei Grundschulstandorte erhalten bleiben sollen, zitierte Zelt aus dem Schulgesetz: „Über alle weiteren Bildungswege nach der Grundschule entscheiden die Erziehungsberechtigten. Volljährige Schüler entscheiden selbst.“ so Zelt weiter. Was so selbstverständlich klinge, sei der Wegfall der verbindlichen Schulempfehlung und habe eine Abstimmung mit den Füßen zur Folge. Mit der Weiterentwicklung der Hauptschule zur Werkrealschule seien zwei konkurrierende Schulen mit demselben pädagogischen Ziel - zum mittleren Bildungsabschluss zu führen- geschaffen worden.

Rein sachlich sei festzustellen, dass eine dieser Schularten, - die Werkrealschule, obwohl er persönlich der Meinung sei, dass die Lehrer dort hervorragende Arbeit leisten-, ein eindeutiges Akzeptanzproblem habe. Aufgrund der aktuellen Schülerzahlen sei der Weiterbestand der Werkrealschule in Brühl langfristig kritisch zu sehen, spreche doch die Landesregierung von 40 Schülern in der Eingangsklasse um eine Schule „halten“ zu können. Immer noch sei die Marion-Dönhoff-Realschule sehr beliebt, ergänzte Ralf Göck, aber die sinkenden Schülerzahlen machten sich bemerkbar, gehe es im Moment doch darum, ob im nächsten Schuljahr drei oder wie bisher üblich vier Klassen in der Eingangsstufe gebildet werden könnten.

Gemeinderätin Gabriele Rösch wies daraufhin, dass dieses Problem nicht unbekannt war und der Gemeinderat sich bereits 2010, mit Blick auf die sinkenden Schülerzahlen, für einen Zusammenarbeit in Klasse 5 und 6 zwischen den beiden Werk-Realschulen, in Brühl und Ketsch, und der Marion Dönhoff Realschule ausgesprochen habe. Inzwischen gäbe es mit der Gemeinschaftschule eine neue, attraktive Möglichkeit dafür und eine Chance hier eine zukunftsfähige Lösung zu finden, die im Idealfall auch den Anschluss zum gymnasialen Niveau herstellen kann und den Schülern gerecht wird, dass eine Gymnasialempfehlung habe, zur Zeit auf der Realschule immerhin rund ein Drittel.

Viel Positives sah auch Dominique Stein in dem Gesamtkonzept Gemeinschaftsschule. „Nicht jeder ist in allen Fällen gleich begabt und oft hängt es an Lese-Rechtschreibschwächen, wo ein Kind lande.“ Oft lege sich diese Schwäche aber mit dem Alter ganz von selbst und gerade dann sein von einem gutes Schulsystem Durchlässigkeit gefordert. Dies sah auch Irene Dann so und ergänzte „Kinder, die keine Muttersprachler sind, haben mit ähnlichen Problemen zu kämpfen.“

Das Konzept der Gemeinschaftschule, das auf mehr Förderung statt auf Notendruck und Nichtversetzung setze, wurde von den Anwesenden als positiv empfunden. „Das sogenannte Abschulen über Nichtversetzung und durch viele schlechte Noten führt in der Praxis oft zur Stigmatisierung einzelner Schüler“, zeigte sich Gemeinderatskandidatin Tatjana Arnold nicht überzeugt von den bisherigen Methoden.

„Wäre irgendwie schon besser“ sagten die anwesenden Mütter, als sie gefragt wurden, ob eine Ganztagesschule überhaupt gewünscht würde. Die kommenden Elterngenerationen seien nach Kindergarten und Hort an eine längere Kinderbetreuung gewöhnt und viele Eltern arbeiten dann schon wieder, ergänzte Gabriele Rösch. Außerdem gäbe es in einer Gemeinschaftsschule mehr Lehrerstunden pro Kind, was individuelle Förderung ermögliche.

Die Gemeinschaftsschule sei stark nachgefragt, so Kreisrat Dr. Ralf Göck, es werde im laufenden Schuljahr 83 neue Gemeinschaftsschulen geben. Unter diesen seinen 12 ehemalige Realschulen, darunter auch die Schwetzinger Schimper Realschule. Andernorts sei es zu Abwanderungen an die Gemeinschaftsschulen gekommen, was auch für die Marion Dönhoff Realschule zu befürchten sei, wenn keine Perspektive geboten werde. Eltern-Umfragen als Entscheidungshilfe hätten in anderen Gemeinden aber nie ein eindeutiges Ergebnis gebracht. Am Ende müsse die Schulkonferenz entscheiden, ob ein stimmiges Konzept für eine Weiterentwicklung der MDRS vorliege.

An eine Entscheidung zum Stichtag im Juni diesen Jahres, für eine Gemeinschaftsschule ab Schuljahr 2015/16, glaube er persönlich nicht mehr, so Hans Zelt. Die Verunsicherung der Lehrer könne er allerdings wegen der starken Beanspruchung dieses Themas im Wahlkampf verstehen. Für seine Partei stehen allerdings die großen Chancen, die diese Schulform böte im Vordergrund.

Auf das bisher und künftig sehr leistungsfähige Berufsschulsystem wies Dr. Ralf Göck, Fraktionsvorsitzender der SPD im Kreistag, hin. Dies habe ein kürzlich vorgestelltes Gutachten zur Schulentwicklung im Rhein-Neckar-Kreis ergeben. Das Landratsamt habe gerade in Schwetzingen viel investiert. Daß hier Konkurrenz von Gemein­schaftsschulen befürchtet werde, die ja bei bestimmten Schülerzahlen in Klassenstufe 10 ein Gymnasium aufbauen dürften, halte er für unbegründet, könnten die beruflichen Gymnasien doch inzwischen konkurrenzlose Spezialisierungen anbieten.

Die Kreistagsfraktion stimme auch der Sanierung der Comeniusschule für geistig behinderte Kinder zu. Dies spreche nicht gegen die Inklusion, aber auch hier gelte, daß nicht alle Eltern wollten, daß ihr Kind in eine Regelschule wechselt. Beim Thema Inklusion müsse man auf den Einzelfall schauen, so berichtet Tatjana Arnold, stellvertetende Verwaltungsdirektorin an der Hochschule für Rechtspflege in Schwetzingen aus ihrer Erfahrung.

 

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