Die Ortsentwicklung stand im Mittelpunkt der Beratungen rund um das "Wahlprogramm 2009-2014" der Brühl-Rohrhofer Sozialdemokraten, das am Ende einer sechsstündigen Klausurtagung einstimmig beschlossen wurde. Das "Wahlprogramm" werden die jeweils zuständigen Kandidatinnen und Kandidaten in Gesprächen mit Bürgern und Betroffenen und bei Veranstaltungen erläutern und sind auch gerne bereit, weitere Impulse aufzunehmen: "Aber ohne eigene Vorstellungen sollte eine Partei nicht in den Wahlkampf ziehen", so Vorsitzender Hans Zelt mit Blick auf die politische Konkurrenz, "sonst stehen am Ende viele unrealistische Wünsche, die den Steuerzahler viel Geld kosten".
Es sei besonders wichtig, eine Idee von der künftigen Ortsentwicklung insgesamt zu haben, um Fehlentwicklungen zu vermeiden, so Hans Zelt. So bleibe die SPD dabei, die beiden Ortskerne in Brühl und Rohrhof weiter zu stärken.
Mit den beiden Lebensmittel-Discountern in den Ortskernen habe die SPD-Fraktion in gutem Zusammenwirken mit Bürgermeister Dr. Ralf Göck schon viel erreicht für die Sicherstellung wohnungsnaher Dienstleistungen in Brühl und Rohrhof, "Vergeßt nicht die Patientendienstleistungen", erinnerte Pflegedienst-Unternehmer Fritz Triebskorn, der einen Senioren- und Gesundheitszentrum mit Beratung und Angeboten zur Mobilisation älterer Menschen vorschlug, um ihnen so lange wie möglich ihre Selbständigkeit zu erhalten.
"Auch die Kulturereignisse auf der Straße sind wichtig", so Roland Kohl, der das Sommerfest im Rohrhofer Ortskern mit organisiert. Die Stärken Brühls, nämlich attraktive Wohngebiete, saubere Grünanlagen und Ortsstraßen, gelungene Kulturveranstaltungen müßten erhalten und teilweise sogar ausgebaut werden, so Bettina Möltgen.
"Eine moderne Gemeindebücherei fehlt aber noch", ergänzte Gabriele Rösch. Schließlich will die SPD Brühl in Zeiten des demographischen Wandels "zukunftsfest" gestalten: "Es müssen auch junge Leute die Möglichkeit haben, hier neu bauen zu können", berichtete Steven Smith von Freunden, die mangels Bauplätzen von Brühl fortgezogen seien. "Sie nehmen einen weiteren Weg zur Arbeit in Kauf", ergänzte Daniela Brünn, "und können auch ihre Eltern im Falle eines Falles nicht so gut unterstützen".
Hinzu komme, so Hans Zelt, selbst Vater von zwei Töchtern, "daß die Großeltern nicht kurzfristig bei der Kinderbetreuung einspringen können". Deswegen verstehe man die politische Konkurrenz nicht, die die Eigenentwicklung der Gemeinde blockiere und sogar in Kauf nehme, daß die Jahn-Grundschule künftig schlechter besetzt sei.
Neben der Ausweisung eines kleineren Neubaugebietes sind die Sozialdemkraten für die Innenentwicklung, die Dipl. Stadtgeograph Sven Achstetter erläuterte: Sanierungsprogramme, Förderung von Umwelt-Techniken und eben die Stärkung der wohnungsnahen Dienstleistungen seien die Vorteile: "Nur will und kann eben nicht jeder ein altes Haus sanieren", so Daniela Brünn.
Die Zukunft des Brühler Sportgeländes sehen die Sozialdemokraten am Ortsausgang Richtung Ketsch, so der selbständige Gerüstbau-Unternehmer und FVB-Jugendleiter Thomas Walter und SVR-Vorsitzender Hans Hufnagel übereinstimmend, da dies verträglicher für die Anwohner zu realisieren sei als am bisherigen Standort oder neben dem "Vogel-Viertel" wie es eine "Vision" der politischen Konkurrenz vorsehe.
An dem neuen Standort seien auch Synergieeffekte für die Realschule und die beiden größten Brühler Sportvereine möglich. Das Rohrhofer Sportgelände sollte hierbei erhalten und saniert werden. Über die Ortsentwicklung hinaus erarbeiteten die Sozialdemokraten jeweils vier Grundsätze in den Bereichen Soziales, Finanzen und Umwelt: "Bei der Kinderbetreuung von 1 bis 6 Jahren gibt es noch Bedarf", weiß der junge Vater Klaus Bess, "sie sollte rasch ausgebaut werden durch die Einrichtung von mehr Krippen- und Tagesstättengruppen."
Die wohnungsnahen Grundschulen sowie die beiden Hortbetreuungen sollen erhalten und ausgebaut werden, auch die Haupt- und Realschule sei mit Lehrer-Arbeitsplätzen und einer Mensa auszubauen. "Die außerschulischen Freizeit- und Betreuungsangebote, etwa im Jugendhaus, sind wichtig, um frühzeitig Verhaltensstörungen entgegenwirken zu können", so die Sprecherin des Jugendgemeinderates Pamela Betzold.
Sozial sei es auch, Gemeindewohnungen zu sanieren, und altengerechte Wohnungen in den Ortskernen zu ermöglichen, so Dominique Stein, die mit Eltern und Großeltern in einem Haus wohnt. Im Bereich der Umwelt sollen die energetische Sanierung und verschiedene Umwelt-Techniken bis hin zur Fernwärme durch die Erstellung eines "Brühler Energiekonzepts" gefördert, die Biotopvernetzung weiter ausgebaut und auch die Entsiegelung gefördert werden, faßte der pensionierte Siemens-Regionalleiter Paul Ludwig zusammen. Eine getrennte Regenwassergebühr halten die Sozialdemokraten nicht für zielführend.
Die SPD stehe für eine solide Finanzpolitik seit 1975, so Fraktionsvorsitzender Roland Schnepf, der sich wunderte, daß die CDU dies für sich in Anspruch nehme. "Wenn die CDU-Ideen neues Feuerwehrgerätehaus, Brücke über den Rhein bei gleichzeitiger Ablehnung von Aktivitäten auf der Kollerinsel und Fußballstadion neben dem Vogelviertel Wirklichkeit geworden wären", so Schnepf, "wäre Brühl verschuldet wie viele anderen Gemeinden auch".
Die SPD lehne Kreditaufnahmen der Gemeinde weiter ab, und setze sich weiter für die Rücknahme der Grundsteuererhöhung von 2005 ein, die damals in einer finanziellen Notlage beschlossen worden sei, die es in Brühl nicht mehr gebe. Damit die Wirtschaft hier laufe möchte man Gewerbebetriebe und Arztpraxen ebenso unterstützt wissen wie die örtlichen Vereine, plädierte auch der Selbständige Reinhard Baumann, früher Vorsitzender der Schwetzinger Vereins-Interessengemeinschaft und Brühler Neubürger.