Stellungnahme zur Einführung des Kfz-Kennzeichens SNH
Veröffentlicht am 20.12.2025 in Kreistagsfraktion
Der Kreistag des Rhein-Neckar-Kreises hat in seiner letzten Sitzung des Jahres 2025 in Sinsheim einen Beschluss hinsichtlich der Einleitung des Interessenbekundungsverfahrens zur Wiedereinführung des Altkennzeichens SNH gefasst. Damit ist der Weg frei für das Kennzeichen SNH, das voraussichtlich Ende Februar 2026 an den Start gehen könnte. Ein Antrag zur Wiedereinführung war im Frühjahr von der SPD-Fraktion gestellt worden.
Der Sprecher der SPD zu diesem Tagesordnungspunkt, Pascal Wasow, Bürgermeister der Gemeinde Epfenbach, unterstrich in seiner Rede die Bedeutung des Beschluss als Votum für regionale Identität und Zusammenhalt.
Hier der Wortlaut:
Sehr geehrter Herr Landrat, liebe Kolleginnen und Kollegen,
sehr geehrte Damen und Herren,
vielen Dank, dass wir heute über das Thema SNH-Kennzeichen sprechen – auch wenn wir alle wissen: In Zeiten von Haushaltskonsolidierung, Krankenhausplanung und kommunaler Finanzkrise haben wir wirklich große Brocken zu wälzen. Und doch lohnt es sich gerade jetzt, über ein Thema zu reden, das vielleicht nicht „systemrelevant“, aber dafür herzensrelevant ist.
Meine Damen und Herren, dieses Heimatgefühl ist kein rein subjektives Bauchgefühl – es lässt sich sogar wissenschaftlich untermauern. Eine bundesweite Umfrage der Hochschule Heilbronn mit über 50.000 Teilnehmenden in mehr als 200 Städten ergab, dass 72 Prozent der Bürgerinnen und Bürger die Rückkehr ihres alten Kennzeichens begrüßen würde. Anders ausgedrückt: Für rund zwei Drittel der Deutschen ist das Kfz-Nummernschild ein wichtiger Teil der lokalen Identität und Verortung. Diese Zahlen zeigen deutlich, wie sehr ein Kennzeichenkürzel mit Heimatgefühl verknüpft ist. Diese wissenschaftlichen Erkenntnisse bestätigen sich in der Tatsache, dass in Baden-Württemberg bislang von den 33 freigegebenen Altkennzeichen, 30 wieder reaktiviert wurden - in Baden fehlt nur noch das SNH-Kürzel. Bundesweit sind es schon über 300.
Beim Thema SNH-Kennzeichen geht es – ausnahmsweise – mal nicht um Krisen, Kürzungen oder komplexe Rechtsfragen, sondern um Heimatgefühl, Identifikation und darum, wie ernst wir das Engagement unserer Bürgerinnen und Bürger hier im Rhein-Neckar-Kreis nehmen. Und um es gleich vorweg zu sagen: Ganz gleich, wie die Abstimmung heute ausgeht – es gibt keine Gewinner und keine Verlierer. Die Welt dreht sich morgen weiter, Autos fahren auch ohne SNH. Aber: Eine Zustimmung wäre ein wichtiges Zeichen. Ein Zeichen dafür, dass wir zuhören und dass wir bereit sind, einem langen vorgetragenen Wunsch mit Respekt und Wohlwollen zu begegnen.
Dieses Anliegen ist keine Laune und kein kleines „Projektchen“. Es ist ein Herzenswunsch, der seit über zehn Jahren in der Region lebt und immer wieder vorgebracht wurde:
2012 hat der Gemeinderat Sinsheim einstimmig beschlossen, der sogenannten Gmünder Erklärung beizutreten, um alte Kennzeichenkürzel wie SNH wieder zuzulassen.
Seit 2017 kämpft das Team Pro-SNH unermüdlich für die Wiedereinführung – mit Infoständen, Presseartikeln und viel Ausdauer.
2018 folgte eine Website samt Petition, die auf große Resonanz stieß und Hunderte Unterstützer mobilisierte.
Und Jahr für Jahr war das SNH-Kennzeichen Thema – sei es in Haushaltsreden, im Sinsheimer Gemeinderat, bei Heimattagen, Fohlenmärkten oder in der Rhein-Neckar-Zeitung. Nicht einmal, nicht sporadisch, sondern stetig und beharrlich.
Wir sollten nicht vergessen, wer den Stein ins Rollen gebracht hat und am Laufen hält. Es gab Initiativen und Bürgerengagement, da saß manche Fraktion, die heute lautstark mitreden möchte, noch gar nicht in diesem Gremium. Den Ursprung und die Beharrlichkeit dieser Bürgerinitiativen dürfen wir nicht unter den Tisch fallen lassen. Sie verdienen heute unsere Anerkennung – allen voran auch die Sinsheimer SPD-Fraktion im Gemeinderat um ihren Fraktionsvorsitzenden Jens-Jochen Roth.
Natürlich ist klar: Ganz ohne Aufwand geht es nicht.
Es braucht ein Bewirtschaftungskonzept mit den Nachbarlandkreisen, damit wir Überschneidungen vermeiden und jeder eindeutig weiß, wem SNH zukommt.
Es braucht eine technische Umstellung in den Zulassungsstellen und EDV-Systemen, damit das Kürzel wieder vergeben werden kann.
Und ja, es fallen ein paar Stunden Verwaltungsarbeit an.
Aber wir sollten auch ehrlich sein: Die Gebühren aus Wunschkennzeichen refinanzieren diesen Mehraufwand bereits nach rund einhundert Anmeldungen – so viel Ehrlichkeit muss sein. Und wenn es so läuft wie in Bruchsal, wo innerhalb weniger Monate über 15.000 Autofahrer das alte BR-Kennzeichen gewählt haben, dann sprechen wir hier von einer wirklich kleinen Investition mit großem Mehrwert (sowohl ideell als auch finanziell).
Jetzt ein wenig Selbstironie: In unserem Antrag vom Frühjahr stand, das SNH-Kennzeichen solle zum 1. September 2025 wieder eingeführt werden. Tja – heute schreiben wir den 16. Dezember 2025. Unser Zeitplan war wohl etwas zu ambitioniert. Offen gesagt: Das war zu ehrgeizig. Realistisch ist: Wenn wir heute grünes Licht geben, können bis zum Sommer 2026 die ersten SNH-Schilder an den Autos sein – vorausgesetzt, die Verwaltung legt zügig los. Und genau das ist unser Ziel.
Mir ist wichtig, eines noch klarzustellen: Ein SNH-Kennzeichen ist kein Angriff auf die Einheit des Rhein-Neckar-Kreises. Es bedeutet nicht „Sinsheim gegen Heidelberg“. Sinsheim bleibt Teil dieses Kreises – mit oder ohne spezielle Buchstaben auf dem Nummernschild. Aber man muss sich der Bedeutung der großen Kreisstadt Sinsheim bewusst machen – direkt an der A6 gelegen ist es Sinsheim mit dem Stadion, dem Technik-Museum, der Badewelt, was als „Tor in den Rhein-Neckar-Kreis“ fungiert. Drei Jahre lang habe ich in Heidenheim an der Brenz studiert, musste regelmäßig über die A6 pendeln und immer, wenn ich auf Höhe des Hoffenheim-Stadions war, wusste ich: Ich bin wieder zuhause. Mit SNH auf dem Schild gäbe es eben ein bisschen mehr Herz und Heimatstolz auf der Straße. Mehr nicht, aber eben auch nicht weniger.
Deshalb bitte ich um Ihre Zustimmung zu diesem Vorhaben – heute geht es um SNH, und darauf haben die Menschen in unserer Region über zehn Jahre lang gewartet. Lassen Sie uns diesen Menschen ein Signal senden: Euer Wunsch ist angekommen. Er ist uns keineswegs zu klein – im Gegenteil, er ist wichtig genug, dass wir ihn hier gemeinsam beraten, darüber entscheiden und ihm heute im besten Fall auch zustimmen.
Vielen Dank – es wäre ein schönes Weihnachtsgeschenk für die Bürgerinnen und Bürger in der Region. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen allen schon heute ein gesegnetes Weihnachtsfest und einen guten Start in das neue Jahr!
Die SPD Fraktion freut sich über das Abstimmungsergebnis zum SNH Kennzeichen